Über viele Jahre war ich ein Mensch, der funktioniert hat: beruflich engagiert, verantwortungsvoll, leistungsbereit und mitten im Leben. Wie viele andere habe ich versucht, stark zu sein, weiterzumachen und Erwartungen zu erfüllen — auch dann noch, als die Belastung längst zu groß wurde.

Mit Mitte 30 erkrankte ich psychisch schwer. Schwere wiederkehrende Depressionen, Angststörungen und ein Leben mit ADHS haben mein Leben grundlegend verändert. Plötzlich ging es nicht mehr nur darum, „weiterzumachen“. Es ging darum, zu verstehen, was mit mir passiert, warum Hilfe oft so spät greift und weshalb Menschen in psychischer Not so häufig allein bleiben.

Ich habe das psychiatrische und psychotherapeutische Versorgungssystem selbst durchlebt: mit stationären Aufenthalten, Therapien, Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten, Psychiaterinnen und Psychiatern, Psychologinnen und Psychologen — aber auch mit vielen anderen Betroffenen, deren Geschichten mich bis heute begleiten.

In diesen Jahren habe ich nicht nur meine eigene Erkrankung besser verstanden. Ich habe auch gesehen, wie viele Menschen ähnliche Fragen stellen:

Warum wurde meine Belastung nicht früher erkannt?
Warum gab es keine Hilfe, als ich sie gebraucht hätte?
Warum beginnt Unterstützung oft erst dann, wenn Menschen bereits zusammenbrechen?

Aus diesen Erfahrungen ist Erste Hilfe Psyche entstanden.

EHP ist kein Ersatz für Therapie, keine Diagnostik und keine ärztliche Behandlung. Es ist der Versuch, eine Lücke zu schließen: die Zeit zwischen ersten Warnzeichen, Überforderung, innerer Not und erreichbarer professioneller Hilfe.

Denn viele psychische Krisen entstehen nicht plötzlich. Sie entwickeln sich oft leise, über Wochen, Monate oder Jahre. Wenn wir früher verstehen, früher stabilisieren und Menschen rechtzeitig Orientierung geben, kann viel Leid möglicherweise früher aufgefangen werden.

Erste Hilfe Psyche steht deshalb für einen einfachen, aber wichtigen Gedanken:

Psychische Hilfe darf nicht erst beginnen, wenn Menschen zusammenbrechen.

Unser Ziel ist es, psychische Gesundheit verständlicher, zugänglicher und menschlicher zu machen — für Betroffene, Angehörige, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Schulen, Fachkräfte und alle, die früher helfen möchten.

Früher verstehen. Früher stabilisieren. Menschlicher handeln.